Unheimlich- Teil 2

Heute war unser Hauptbahnhof in Aschaffenburg für mehrere Stunden vollkommen gesperrt und evakuiert. Es handelte sich aber zum Glück nur um ein leeres Gepäckstück. Die Meinungen gehen im Netz weit auseinander: Von „total übertrieben“ bis „gut so“ ist alles dabei.
Ich bin der Meinung, dass es in der heutigen Zeit  gut und richtig ist, vorsichtig zu sein! Wenn es eine Bombe gewesen wäre und sie hoch gegangen wäre, hätte es jede Menge Todesopfer gegeben… also war es in meinen Augen nicht übertrieben!

ASCHAFFENBURG. Entwarnung am Aschaffenburger Hauptbahnhof! Nach dem Öffnen des Koffers vor Ort, konnte festgestellt werden, dass sich darin ein weiteres, kleineres Gepäckstück befand. Beide Behältnisse waren leer. Erfolgte Absperrmaßnahmen werden nun Zug um Zug wieder aufgehoben. Am Mittwochmorgen um 09:55 Uhr wurde durch eine aufmerksame Zeugin bei der Polizeiinspektion Aschaffenburg ein herrenloser Koffer mitgeteilt, welcher am Busbahnsteig 1 stand.
Nach ersten Ermittlungen durch eine Streife vor Ort handelte es sich hierbei um einen circa 40 mal 60 Zentimeter großen, braunen Lederkoffer.
Durch weitere alarmierte Einsatzkräfte wurde der gesamte Bereich des Busbahnhofes großflächig abgesperrt. Die Ludwigstraße war für den gesamten Verkehr gesperrt, Umleitungen werden durch Polizeibeamte geregelt. (Quelle: Polizei)

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Mein liebes Aschaffenburg

 Ganz Deutschland nimmt Viagra, nur die Aschaffenburger sind stolz auf ihre Schlappen Seppl. Aschaffenburg ist die Hauptstadt des Untermain, eine Gegend, die eigentlich zu Unterfranken gehört, in der man einen Dialekt spricht, der sich am Mainzerischen orientiert, die sich aber mit Leib und Seele dem Freistaat Bayern verschrieben haben. Wohl nirgendwo sonst findet man in den Schrebergärten so viele bayerische Fahnen. Und wohl über keine Stadt gibt es so eine schreckliche Hymne der Jacob Sisters. Ob Aschaffenburg wohl dagegen geklagt hat? Schalten wir lieber das Radio an, in Aschaffenburg empfängt man nämlich den Electro-Sender aus Baden-Württemberg, Sunshine-Live.DSCN0092

Beginnen wir unsere Tour durch die historische Altstadt. Wir kommen an putzigen Fachwerkhäusern vorbei, die Metzger verkaufen auf den Straßen eine würzigere Variante des Wienerles. Ganz mittelalterlich bis renaissance-mäßig kommt die Stiftskirche St.Peter und Alexander daher. Der Kreuzgang kann was. Schließlich laufen wir am Main entlang. Neben uns das von Ludwig I. erbaute Pompejanum, eine Villa mit Mainblick, nachempfunden den Ausgrabungen Pompejis. Dann betreten wir endlich den Platz des wuchtigen Schlosses Johannisburg, das Wahrzeichen Aschaffenburg.

 

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Das wurde vom Mainzer Fürstbischof als Sommerresidenz errichtet. Und der brachte auch gleich seine ganze Entourage mit, weshalb die Ascheberscher von sich behaupten, sie hätten den Mainzer Dialekt. Nie und nimmer darf man sagen, die Leute würden hier hessisch reden. Einer meiner Schüler in Aschaffenburg schrieb mal im Unterricht Beischtstuhl an die Tafel (jawohl mit sch). Ich, etwas belustigt und resigniert: „Schreibs auf deutsch hin, nicht auf hessisch.“ Er, aus allen Wolken fallend: „Hessisch? Wollnse misch belaidigen?“

Das Schloss selber ist durchaus empfehlenswert, es beherbergt einen Gutteil der bayerischen Staatsgemäldesammlung sowie die für jeden Antiken- und Architekturfanatiker hochinteressante Sammlung aus dem 18. Jh. an Korkmodellen antiker Bauten (ohne Witz jetzt, die schauen wirklich toll aus).

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Verlassen wir die Stadt für einen Ausflug in den Spessart. Ganz in der Nähe des Ortes Mespelbrunn liegt mitten im Wald das Gasthaus „Hohe Wart“. Fachwerk, mit eigener Brauerei, so stellt man sich das Wirtshaus im Spessart vor. Der Biergarten ist recht schön, man sollte allerdings vor den Wespen aufpassen. Das Essen ist eher zünftig, das Bier schmeckt durchaus frisch, das Dunkle kann dagegen an einem warmen Tag müde machen, schlecht, wenn man noch viel wandern muss.

Schloss Mespelbrunn, den älteren Semestern vielleicht noch von Briefmarken bekannt

Durch den Wald geht’s wieder zurück, Schloss Mespelbrunn wartet. Nach dem Wald kommen grüne Wiesen mit Kühen drauf, so eine Szenerie kennt man sonst nur aus den Alpen. Der Ort Mespelbrunn ist eher ein Straßendorf, aber ein eeeeeeeeeeeewig langes. Viel Fachwerk findet man hier nicht, eher Häuser der 60er und 70er Jahre, als dort noch viele Leute ihre Ferien verbrachten. Endlich kommen wir zum Schloss. Von außen kostet die Besichtigung nichts, aber die Führung innen schon. Die lohnt sich aber, denn das Schloss ist in einem noch sehr ursprünglichen Zustand, Teile davon werden von der Adelsfamilie bewohnt. Brutal wird aber der Rückweg, denn das Auto steht am ganz anderen Ende des Ortes, und dann noch den Berg rauf, entlang eines Kreuzweges, den zu begehen durchaus fromm machen kann (er ist auch sehr schön gestaltet).

Auf die Tube, ab nach Aschebersch. Wir gehen in die älteste und traditionsreichste Wirtschaft der Stadt, den Schlappe Seppl. Der sitzt hier seit 1631. Oder besser: Er saß. Denn obwohl aus diesem Haus das berühmteste Bier Aschaffenburgs stammt, und obwohl das Wirtshaus so heißt wie das Bier, serviert man hier: Faust Bier aus Miltenberg (Motto: International völlig unbekannt. National eher zweitrangig. Regional der Hammer). Ja wo gibt’s denn so was? Schenkt man demnächst im Münchner Hofbräuhaus Becks aus? Hintergrund: Der Betreib
er des Wirtshauses hat sich mit der lokalen Brauereidynastie verkracht, zu der auch Schlappe Seppl gehört. Wir waren aber noch da, als es noch den Seppl gab, ein wunderbares Bier in einem wunderbar urig-städtischen Wirtshaus. Etwas früher kommen, die Plätze im vorderen Teil sind gemütlicher als hinten im alten Sudhaus. Hier haben übrigens auch schon die beiden FAZ-Karikaturisten Greser&Lenz ihre Werke erstellt. So gab es ganze Sammelreihen von Bierdeckeln mit ihren Zeichnungen.

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Was kann man später noch machen? Z.B. am Abend durch das Schönthal marschieren und ins Hofgarten Kabarett Theater gehen. Die Zentrale von Urban Priol. Ich konnte da einmal auf der Bühne stehen und muss sagen, die Ascheberscher gehen als Publikum richtig mit, holla die Waldfee. Fazit: Die Mainzer Mentalität der unterfränkischen Untermain Bayern basst scho. Und natürlich babbeln die Ascheberscher net uff hessisch!

 

 

 

 

(Text geklaut on https://bavaritas.wordpress.com/safari-ins-schonste-land-der-welt/unterfranken/aschaffenburg/ Fehler von mir ausgebessert 😉 Bilder  von mir) )