Nachgelesen: Autismus und ADHS

Neuere Studien weisen daraufhin, dass eine Überlappung von Autismus und ADHS in ca. 50% der betroffenen Kinder vorliegt. Genetische Untersuchungen legen ein polygenetisches Geschehen nahe. Assoziationsstudien finden 16 „single nucleotid“-Polymorphismen, die für beide Störungen relevant sein können. Und schließlich wurden in neurobiologischen Untersuchungen zwar deutliche Unterschiede beobachtet, bei beiden Störungen ist jedoch das Frontalhirn involviert.

Banaschewski T et al. Autismus und ADHS über die Lebensspanne. Nervenarzt 2011; 82: 573–81

 

Kommentar: Klinisch fällt bei vielen Kindern mit einer Autismus-Spektrumstörung auf, dass sie auch an einer ADHS-Symptomatik leiden, umgekehrt werden bei einem Teil der Kinder mit ADHS autistische Verhaltensstörungen beobachtet. Die Autoren weisen daher zu Recht darauf hin, wie wichtig es ist, bei jedem Kind mit der Diagnose Autismus nach dem Vorliegen einer ADHS-Symptomatik zu suchen. Umgekehrt sollte bei Kindern mit der Diagnose ADHS auch das mögliche Vorliegen von autistischen Zügen abgeklärt werden. Dies hat therapeutische Konsequenzen: Wie bei der idiopathischen ADHS, so ist auch bei der ADHS assoziiert mit einer autistischer Störung Methylphenidat wirksam. Jedoch sollte die Dosis bei Kindern mit Autismus und ADHS sehr niedrig begonnen und in kleinen Schritten bis zum Wirkungseintritt gesteigert werden. In der Regel sind geringere Dosen erforderlich. Die Wirksamkeit ist geringer als bei Kindern mit reinem ADHS. Kinder mit ADHS und autistischen Zügen profitieren von dem bei Autismus eingesetzten Risperdal. Eine Kombination von Risperdal und Methylphenidat wird von den Autoren empfohlen. Viele Mütter leiden darunter, dass ihr Kind mit ADHS kaum Freunde hat und wenig Interesse daran zeigt, sich zu verabreden. Sollten in solch einem Fall zusätzlich autistische Stö- rungen diagnostiziert werden, so könnte dies Einfluss auf die Beratung hinsichtlich der Freizeitgestaltung des Kindes haben. Dr. Kirsten Stollhoff

Quelle